Das Haus der Künstler bietet seit 1981 künstlerisch talentierten Menschen ein vollbetreutes Wohnen, in dem sie sich zuhause fühlen können. 14 Bewohner und Bewohnerinnen haben Platz in dieser einzigartigen Gemeinschaft. Unverkennbar – farbig bemalt von den Künstlern selbst – befindet sich das Haus auf einem Hügel des Wienerwaldes in Maria Gugging / Klosterneuburg. Die Wand- und Fassadenmalereien zeigen offen den kulturellen Anspruch der Sozialhilfeeinrichtung. 

 

Die historischen Wurzeln reichen zurück bis in die 1950er Jahre. Damals noch fernab der Kunst, ließ Leo Navratil aufgrund von medizinischen Motiven in der „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“ erste Zeichnungen von den Patienten anfertigen. Diese frühen Triebe führten dazu, dass am selben Ort 1981 das „Zentrum für Kunst und Psychotherapie“ entstand. Es glich bereits einer Wohngemeinschaft für PatientInnen, war aber noch Teil der Klinik. 

 

Ein großer, auch konzeptueller Umbruch geschah dann 1986 mit der Umbenennung in „Haus der Künstler“ durch den neuen Leiter Johann Feilacher. Es änderte sich jedoch nicht nur der Name. Viel wichtiger noch war – durch die zeitgleiche Loslösung von der Klinik – eine Aufwertung der Betroffenen durch den wegfallenden Patientenstatus. Im Jahr 2000 kam dann der Wechsel auf einen privaten Träger, den Verein Freunde des Hauses der Künstler. Seit dieser Zeit gilt das Haus als freie Wohngemeinschaft, die nun mit dem Klinikgelände nur mehr räumlich in Verbindung steht. Im Juni 2011 konnte durch einen Zubau weiterer Raum gewonnen und das Gebäude modernisiert werden. Durch die Erweiterung der sanitären Anlagen ist es fortan auch für Frauen möglich, im Haus zu leben. 

 

Ein multidisziplinäres Team ermöglicht seither den Bewohnern und Bewohnerinnen in familiärer Atmosphäre ein möglichst selbstbestimmtes Leben innerhalb eines stabilen Umfelds, welches sie befähigt, ihren künstlerischen Tätigkeiten nachzugehen. Die Professionalisierung ihrer Fähigkeiten, der offene Respekt für diese Leistungen, behutsame therapeutische und aktive soziale Betreuung und Förderung bieten den BewohnerInnen ein Fundament, um das gesellschaftliche Leben so weit zu genießen, wie es für sie jeweils selbst von Bedeutung ist. Die hohe Qualität der kreativen Resultate, wie Zeichnungen, Gemälde, Schriften und Objekte, haben die Gugginger KünstlerInnen weltweit bekannt gemacht. Sie zählen zu den bedeutenden Vertretern der Kunstrichtung Art Brut.

 

Die stetige Auseinandersetzung mit der Frage, wie Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen gut leben und arbeiten können, bedingt eine kontinuierliche Reflexion der eigenen Herangehensweise bzw. Betreuungsarbeit und ermöglicht so eine lebendige Weiterentwicklung. So stehen jetzt beispielsweise neben pflegerischen auch sozialtherapeutische Blickwinkel im Vordergrund. Das Haus der Künstler ist Teil eines außergewöhnlichen Gesamtkonzepts – ganz im Sinne von „das Ganze ist mehr als die Summe seiner Bestandteile“(Aristoteles). Diese Teile (wie das Haus, Atelier, Galerie, Museum etc.) können langfristig ohneeinander nicht funktionieren – im Verbund schaffen sie jedoch eine Einheit, die ihresgleichen sucht. Die organischen Vernetzungen machen es möglich, dass immer wieder neue und kreative Ideen und Projekte entstehen.