Ausstellungen / Museum 09 - 10
[Ausstellungen des Museum Gugging in den Jahren 2009 und 2010]


2010

Vorschau:
6. Oktober 2010, Eröffnung der Ausstellungen:
"judith & shields.! - judith scott meets tribal art",
"sava.! sekulic" und
"gugging classics 4.!"
Eröffnung: 6. Oktober 2010, 19:00 Uhr
Dauer: 7. Oktober bis 20. März 2011

Die Objektkünstlerin Judith SCOTT (1943 Cincinnati, Ohio – 2005 Oakland, Kalifornien), deren Werk erstmalig in Österreich eine große Einzelausstellung gewidmet wird, lebte, nach 35 Jahren der Isolation aufgrund der Diagnosen Down-Syndrom und Taubheit, ihr Talent im Umgang mit Garnen, Stoffresten und Alltagsmaterialien aus: sie verwob diese Fundstücke zu grandiosen organischen Skulpturen. Judith Scott nahm Wolle, Zwirn und Faden – oft interpretiert als `weibliche´ Utensilien - und umwickelte, verschnürte, verband, deckte zu. Gegenstände des täglichen Lebens verschwanden unter den dicken Schichten farbkräftiger Gebinde. Sie schuf damit Objekte, die in der Kunstgeschichte zuvor nicht zu finden waren.

Die "shields.!"
Neuguinea ist ein Land, in dem sich bis vor wenigen Jahrzehnten noch steinzeitliche Kulturen erhalten haben. Das Fehlen von Technik – Eisen war nicht vorhanden – verankerte das kulturelle Schaffen in einem Stadium der von der Natur vorgegeben Materialien und Möglichkeiten. Reale und rituelle Kriege, die ausschließlich Männer führten, benötigten Schilde. Diese dienten nicht nur zur Abwehr von Pfeilen und Speeren, sondern waren Symbole der Zugehörigkeit zu einer Ahnenkultur, die ihre Kräfte noch aus jenen der Vorfahren holte. Die Schilde sollten dem Gegner Schreck einflössen und wurden zugleich zum gestalterischen Experimentierfeld bereits spezialisierter Schöpfer dieser Objekte. Die aus den Luftwurzeln von Bäumen gehauene Holzplatte wird zur Leinwand des Künstlers, auf der er mit natürlichen Pigmenten seine abstrakten Bilder schafft.

Schilde aus Neu-Guinea in Gugging
Schild, Nembi-Plateau
Southern-Highlands
Warrumbi
Courtesy-Johan-Wierda,
Sydney
Foto: Museum Gugging
Judith Scott, ohne Titel, 1991
©Creative Growth Art Center, Oakland
Foto: Museum Gugging
Judith Scott, ohne Titel, 1993
©Creative Growth Art Center, Oakland
Foto: Museum Gugging

Über die Ausstellung "judith & shields.!"
Diese Ausstellung zeigt Objekte nebeneinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: `weibliche´ Wolle in den Händen einer Frau, die damit Werke zeitgenössischer Kunst schuf, ohne jemals an der Kunst ihrer Zeit interessiert oder gar zu Lebzeiten darin integriert gewesen zu sein und `männliche´ Objekte einer jahrtausende früher angesiedelten Kultur, die primär einem kriegerisch gesellschaftlichem Ritual dienten. Beide haben eines sichtlich gemeinsam: die Ursprünglichkeit – eine nicht durch Normen und Tendenzen des zwanzigsten Jahrhunderts beeinflusste Produktion, die aber der rezeptiven Entwicklung der westlichen Kultur bedarf, um als Kunst anerkannt zu werden. Ein scheinbares Paradoxon, das den Wunsch des Betrachters nach dem Unbekannten, Neuen oder Fremden entspricht.

Sekulic in Gugging
Sava Sekulic
1968, MNA Jagodina, Serbia
Sekulic in Gugging
Sava Sekulic
"Wenn wir denken, bekommen wir alles"
1977, MNA Jagodina, Serbia

"sava.! sekulic"
Sava SEKULIC wurde 1902 in Bilišani, in der Nähe von Obrovac an der Dalmatinischen Küste geboren. Sein Vater, den er im Alter von 10 Jahren verlor, brachte ihm, der nie eine Schule besucht hatte, Lesen und Schreiben bei. Sava lebte fortan mit seiner Mutter und den drei jüngeren Schwestern, was tiefe Spuren in seinem Bewusstsein hinterließ. Fünf Jahrzehnte später schuf er eine Serie von Kompositionen, in denen Mutterschaft und Familie das zentrale Thema waren. Als Soldat im Ersten Weltkrieg wurde Sekulic an der Italienischen Front verwundet und verlor in der Folge ein Auge. Nach Kriegsende zog er als Gelegenheitsarbeiter durch Jugoslawien. Im Jahr 1943 lies sich Sekulic in Belgrad nieder, wo er Arbeit als Maurer fand. Nach eigenem Bekunden begann Sekulic am Vorabend des Zweiten Weltkrieges Gedichte zu schreiben und diese selbst zu illustrieren. Viele seiner Bilder sind auf der Rückseite mit Versen versehen, die dem Betrachter heute helfen, die Werke zu verstehen, Themen und Zusammenhänge zu erkennen. Nach seiner Pensionierung 1962 widmete sich Sava Sekulic vollkommen seiner künstlerischen Kreativität – dem Malen und Dichten. Dem außerordentlichen Künstler, der 1989 in Belgrad verstarb, widmet das Museum Gugging die Präsentation im Novomatic-Salon.

Die "gugging classics 4.!"
Die ständige Ausstellung „gugging classics.!” gibt auf über 700 m² Fläche einen umfassenden Überblick zu Geschichte und Gegenwart der künstlerischen Aktivitäten in Gugging. Neben den bekannten Vertretern der Art Brut wie August WALLA, Oswald TSCHIRTNER oder Johann HAUSER wird auch das Werk in Vergessenheit geratener Künstler wie Franz GABLECK oder Rudolf HORACEK gewürdigt. Die Exponate in diesem Ausstellungsbereich werden regelmäßig ausgetauscht und ergänzt. Mit jeder temporären Ausstellung kann die Gugginger Kunst in einer neuen Präsentation entdeckt werden.

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Aktuell:
26. März 2010 - 26. September 2010:
"aloïse.! corbaz",
"hauser's frauen.!" und
"gugging classics 3.!"

Download:  Einladung

"aloïse.! corbaz"
Die Schweizerin Aloïse CORBAZ (1886 - 1964), deren Kunstwerke ausschließlich während ihres über 40 Jahre fortdauernden Psychiatrieaufenthaltes entstanden, ist die bekannteste Frau in der Art Brut. Ihr Hauptmotiv war sie selbst. Ihre Darstellungen eigener wie fiktiver Liebesgeschichten sind romantisch, verklärt und von der Vorstellung der Erfüllung höchster Wünsche in der Liebe getragen.
Von den frühen, zarten Versuchen bis zum Glanzstück der Ausstellung, dem zwölf Meter langen Rollbild „Rouleau de la nativité“, dem „Rollbild der Geburt Christi“, lässt sich die phantastische Welt der Malerin entdecken.

Aloïse in Gugging
Aloïse Corbaz, Le Bâteau poules (Das Schiff der Hühner), (1960-1963)
Ölkreide auf Papier, 84 x 59.5 cm, Rückseite

Photo. Simon Schmid, Bern
© Fondation Aloise
Kunstmuseum Solothurn, Schweiz
Schenkung Etienne und Jacqueline Porret-Forel


"hauser's frauen.!" im Novomatic Salon
Johann HAUSER (1926-1996) wurde schon sehr früh der Star unter den Gugginger Künstlern. Mit seinem prägnanten Strich, von anderen Künstlern – Jean DUBUFFET bis Arnulf RAINER - hoch geschätzt, war seine Kunst schnell anerkannt. Unter Hausers Motiven stach eines besonders hervor: die Frau. Hauser zeichnete sehr direkt erotische Frauen mit demonstrativ großen Geschlechtsmerkmalen. Seinen Zenit erreichte er im Sommer 1986 mit den `drei Frauen´, drei Zeichnungen, die nun wieder nach Gugging zurückgekehrt und so der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Johann Hauser
Johann Hauser, Nackte Frau mit Hut, 1986
Bleistift, Farbstifte
© Privatstiftung Künstler aus Gugging

Corbaz und Hauser schufen zwei völlig konträre Ansichten von Frauen: romantisch verklärt und sexualisiert. Zwei Varianten des Frauenbildnisses in der Art Brut, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und die sich in diesen Ausstellungen doch perfekt ergänzen.
Die Werke kommen aus dem Kunstmuseum Solothurn und mehreren Privatsammlungen in der Schweiz und in Österreich, darunter auch der Diamond Collection.

"gugging classics 3.!"
Gemeinsam mit den oben genannten temporären Ausstellungen ist auch die ständige Präsentation "gugging classics 3.!" zu sehen. Auf 700 m2 gibt diese Schau einen umfassenden Überblick zu Geschichte und Gegenwart der künstlerischen Aktivitäten in Gugging. Neben den bekannten Vertretern der Art Brut wie August WALLA, Oswald TSCHIRTNER oder Johann HAUSER wird auch das Werk in Vergessenheit geratener Künstler wie Franz GABLECK oder Rudolf HORACEK gewürdigt. Die Exponate in diesem Ausstellungsbereich werden regelmäßig ausgetauscht und ergänzt.

Gugging Classics, Franz Gableck
Franz Gableck
Ein Autostadion, 1968
Gugging Classics, August Walla
August Walla
[bemalte Rückseite einer Leinwand], 1991
Gugging Classics, Franz Kernbeis / Flugzeug
Franz Kernbeis
Flugzeug, 2008

Seit den 70er Jahren gehören die Künstler aus Gugging zu den weltweit wesentlichen Vertretern der Art Brut. Jean DUBUFFET hat sie als Vertreter dieser Kunstrichtung persönlich anerkannt; ihre Werke werden neben der Collection de l' Art Brut in Lausanne auch in vielen Museen zeitgenössischer Kunst, wie etwa dem Philadelphia Art Museum oder dem Setagaya Museum in Tokyo gesammelt und ausgestellt. Seit 2006 ermöglicht das Museum Gugging nun auch die Präsentation dieser Werke am Ort ihres Entstehens.

Ausstellungskataloge Museum Gugging
Kataloge zur Ausstellung:
"Hauser's Frauen", J. Feilacher, 2010 und
"Aloïse, comme un papillon sur elle", Kenko Kitaoka, 2009


2009

17. September:
Wiedereröffnung des Museum Gugging

18. September 2009 - 14. März 2010:
"duo.! anton dobay – oswald tschirtner" und
"liberty.! - african american artists" sowie die permanente Ausstellung
"gugging classics" » mehr