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→ Art Brut
Art Brut ist die Bezeichnung für eine Kunstrichtung, die von einem ursprünglichen, persönlichem und kulturell unangepasstem Charakter zeugt. Der französische Künstler und frühere Weinhändler Jean DUBUFFET (1901 – 1985) prägte 1945 diesen Begriff und meinte damit eine rohe und unverfälscht erscheinende Kunst von Menschen, die von der landläufigen `kulturellen Kunst´ unbeeinflusste Arbeiten schaffen.
Der Art-Brut-Künstler hat demnach keine künstlerischen Vorbilder – er durchläuft keinen schulisch gesteuerten Prozess und vermag daher zu einer sehr eigentümlichen Bildsprache zu gelangen.
Um diese Kunst zu finden und unter seinem Begriff zusammenzufassen, suchte Dubuffet vornehmlich nach Arbeiten von Außenseitern wie Psychiatriepatienten, Einsiedlern und `Exzentikern´ - also Menschen, die durch ihre soziale und geistige Situation von der Kulturgesellschaft distanziert lebten und weniger Gefahr liefen, dem Zeitgeist und dem Nimbus des kultivierten Künstlers zu folgen. Er trug Zeichnungen und Malereien, Objekte, Textilien und Schriften zusammen und präsentierte sie der Öffentlichkeit.
Die Verwendung des Art-Brut-Begriffes ist allerdings nicht ganz unproblematisch. Das Wort `Brut´, edel und ungesüßt wie der Champagner, bezieht sich zwar auf das ungeschliffene Wesen dieser Kunst – von einem gemeinsamen Stil kann aber keine Rede sein.
Im Gegensatz zu den üblichen Schemen kunsthistorischer Einordnungen, lässt sich die Art Brut aber auch zeitlich nicht eingrenzen – Art Brut definiert also keine Epoche.
Angesichts der vielen Stile und Formen dieser Kunstrichtung angesichts der unterschiedlichen Biografien, eine endgültige Typisierung und Zuordnung der Künstler selbst schwierig ist, stellte auch Dubuffet fest. Um seinen Begriff zu schützen, beanspruchte Dubuffet für sich und die heute in Lausanne beheimatete Sammlung die Deutungshoheit. Allerdings hatte sich bald die Verwendung des Begriffes in weiten Teilen Europas verselbständigt.
Jean Dubuffet war nie in Gugging. In einem Briefwechsel (1969-84) zwischen Navratil und Dubuffet drückte er aber immer wieder sein erstaunen aus, dass er, entsprechend seiner bisherigen Überzeugung, es nicht für möglich gehalten hatte, dass in einer geschützten Umgebung derart beeindruckende Kunst im Sinne seines Verständnisses entstehen kann. Dubuffet und der damalige Leiter der Collection de l’Art Brut, Michel THÉVOZ, nahmen Arbeiten vieler Gugginger Künstler in ihre Sammlung auf und veröffentlichten sie 1983 in "L'Art Brut", (Fascicule 12).
